November, die fünfte Woche

Montag:

Nach dem Lesefrühstück habe ich der Klasse unseren Adventskalender vorgestellt. Glücklicherweise ist er so sortiert, bzw. mit Aktivitäten vollgestopft, dass wir gut am  Montag nach dem 1. Advent beginnen können, ohne auf den ersten Dezember warten zu müssen.

Da ich annehme, dass die Kinder zuhause genug Süßigkeiten in ihrem Adventskalender haben und ich lieber etwas mehr Geld in die Geburtstagskiste investiere, habe ich in diesem Jahr wieder auf den digitalen Adventkalender von Jacquie Lawson zurückgegriffen. Er zeigt als Szenerie (wie passend!) einen kleinen Badeort an der englischen Küste. Zu jedem Tag gibt es einen kleinen Animationsfilm oder ein Spiel, eine „Bibliothek“ vermittelt zusätzliches Hintergrundwissen, allerdings auf Englisch. Auch die Szene selbst ist animiert und verändert sich im Laufe des Tages: Da laufen Menschen durchs Bild, fahren Schiffe aufs Meer hinaus, grasen Schafe, nachts wird es dunkel und es gehen die Lichter hinter den Fenstern an.

Heute haben wir erst einmal Schneeflocken gestaltet. Sie schweben später als Miniaturausgabe durch das Bild. Wenn wir demnächst das Thema Symmetrie in Mathematik haben, werde ich noch einmal auf sie zurückkommen.

Was lernen die Kinder bei diesem Adventskalender? Nun, darf man in der Schule nicht auch einfach mal nur Spaß haben?  Aber er wird auch Gesprächsanlass sein, einiges über englische Weihnachtsbräuche vermitteln und nicht zuletzt übt er das Arbeiten am interaktiven Whiteboard. Selbst „Klick hier, Ziehen da“ muss erst erlernt werden.

Dienstag:

Nachdem wir die (allgemein übliche, amerikanische) Sitzordnung eines Sinfonieorchesters erarbeitet haben, müssen sich die Kinder in Dreier- und Vierergruppen zusammenfinden. Gegeneinander testen sie mit Learningapps.org in einem Gruppenspiel ihr neuerworbenes Wissen. Noch viel wichtiger als die richtige Lösung finde ich dabei die Diskussionen innerhalb der Gruppen – da wird Wissen vertieft!

Im Adventskalender haben wir Türkränze geschmückt. Einer davon erscheint immer in der Hauptszene. Im Wochenplan hatten einige Kinder die Antolin-Lesespiele-App eingetragen. Je nach Lernstand habe ich ihnen bestimmte Spiele innerhalb der App zugewiesen. Da wurde heute viel gespielt! Andere haben den Buchstaben der Woche in Grundschrift auf dem Tablet geübt.

In Informatik war heute Präsentationstag. Die Schülerinnen und Schüler hatten Themen aus einem vorgegebenen Katalog gewählt (Industrie 4.0; Big Data; Frauen in der Informatik; Biographien einzelner Informatiker etc.) und dazu zum Teil digitale Präsentationen (klassisch: PPT) erstellt, teilweise aber auch Filme. Die „Outtakes“ zeigen, dass sie mit viel Energie und auch Spaß daran gesessen haben, ihre „Aufnahmestudios“ sahen durchaus professionell aus. So viel wie für dieses Projekt haben die Schüler in der letzten Zeit wohl selten laut vorgelesen! Dennoch scheint Audioaufnahme der problematischste Teil bei der Filmerstellung zu sein, sicher fehlt hier die Erfahrung, ganz sicher aber auch die passende hochwertige Ausstattung. …und die Übung im Lesen.

Mittwoch:

Endlich habe ich die Übung zu Lautdifferenzierung B/P erstellt. Mit JClic habe ich lange nichts gemacht, es steht bei mir immer in Konkurrenz zu Learningapps.org. JClic ist aber eine wunderbare Autorensoftware, wenn man offline arbeiten muss – so wie in diesem Fall. Die Report-Funktion nutze ich dabei gar nicht, mir genügt während der Stunden ein Blick über die Schulter der Kinder. Man kann fertige Übungen auch hochladen und in einem Beispiel-Pool zur Verfügung stellen. Die Übungen aus diesem Pool ließen sich früher auch als JAVA-Applet online nutzen, sind jetzt aber mit den neuen JAVA-Sicherheitsstandards nicht mehr kompatibel.

Download-Seite JClic

Der Schüler begreift die Bedienung des Programms schnell. Er wird ab sofort als „Helfer“ eingesetzt und vermittelt sein Wissen anderen. Im Schneeballsystem kann dann bald die ganze Klasse JClic nutzen.

Der Informatik-Kurs programmiert mit Scratch. Einige arbeiten sich noch an Übungen und Beispielprogrammen ab, andere haben sich schon ein Ziel gesetzt. So sind u. a. ein Autorennspiel geplant (8), ein Pacman-Spiel (6) und ein Adventure mit Gespenst in einer Burg (6). Ein Schüler (8) programmiert einen Vokabeltrainer. Daran können wir nachher den wahren „Mehrwert“ des Programmierens zeigen: Aus vielen Einzelabfragen wird ein Programm, das zufällig eine Vokabel aus einer Liste wählt. Mal sehen, ob es gelingt, die Vokabeln auch zu wichten, sodass Vokabeln, die nicht gekonnt werden, häufiger auftauchen. Aber das ist für einen ersten Programmierversuch schon sehr ambitioniert.

Nachmittags ein Skype-Gespräch nach Texas zur Vorbereitung der Nikolausfeier.

Donnerstag:

Katastrophe: Die Musikanlage streikt. Sie nimmt die gebrannte CD nicht, die sie letztes Jahr noch anstandslos akzeptierte. Da die Anlage glücklicherweise noch nicht dem „Internet-of-Things“ angehört, kann es nicht an einem Update liegen. Die Problemlösung wird vertagt (bzw. am Nachmittag einem Profi angetragen), das Stunde selbst mit einem CD-Player überbrückt.

Gestern und heute habe ich Mini-Diktate lautgetreuer Wörter auf den Whiteboards geschrieben. Zur Dokumentation mache ich Fotos mit dem Handy. Diese werden in die jeweiligen Kinderordner hochgeladen bzw. dienen heute im Elterngespräch als Grundlage für eine Leistungsstandbesprechung.

Am interaktiven Whiteboard besprechen wir noch einmal Körper und Flächen, bevor die Kinder die entsprechenden Seiten im Buch bearbeiten. Immer gibt es ein bisschen etwas zu denken. In Erweiterung des Buches habe ich einen Fußball hinzugefügt. Erstes Aha-Erlebnis: Ein Fußball besteht nicht nur aus Sechsecken. Zweites Aha-Erlebnis: Der Kreis passt nicht als Fläche zum Fußball, wenn wir die Fläche als Abdruck des Körpers verstehen, das Sechseck auch nicht. Aber was dann?

Freitag:

Der Chor hat heute zum ersten Mal mit Playback geübt. Da der Download nur das Vorspiel und zwei Strophen liefert, das Lied aber fünf Strophen hat, musste das Playback verlängert werden. Dazu benutze ich  Audacity. In diese „free, open source, cross-platform audio software for multi-track recording and editing“ ( \o/ ) kann ich mp3 importieren und anschließend bearbeiten. Zuerst markiere ich den Teil des Audios, das ich vervielfältigen will. dabei muss man sehr sorgfältig den Anfang und das Ende des Ausschnitts bestimmen, damit es später nicht zu Unstimmigkeiten in Rhythmus und Melodieführung kommt. Der Ausschnitt wird dann mit copy & paste mehrmals hintereinander eingefügt, bis die gewünschte Strophenanzahl erreicht ist. Fertig.

Für das zweite Playback ist etwas mehr Aufwand erforderlich, ich werde es am Wochenende bearbeiten. Hier muss der Soundtrack aus dem Video extrahiert werden (z. B. mit Free Studio oder einer Webanwendung). Auch hier muss ich noch eine Strophe einfügen – vermutlich aus den Zwischenspielen zusammenbasteln -, den Originalgesang herausschneiden, das Lied verlangsamen und möglichst einen Ganzton tiefer schieben. All dies ist heute digital möglich und, wenn man sich auch nur ein bisschen mit dem Programm beschäftigt hat, intuitiv zu erledigen. Stolperfalle bei diesen Aktionen ist das Urheberrecht. Immer schön im weißen Bereich bleiben oder zumindest im hellgrauen! Videos mit CC-Lizenz oder eine freundliche Anfrage beim Urheber machen hier vieles möglich.

Da die Musikanlage immer noch nicht funktioniert, musste ich das Playback mit Laptop und externem Lautsprecher einspielen.

In der folgenden Freistunde die Musikanlage repariert *). Nennt mich Guru!

Freiarbeit. „Darf ich noch ans Tablet?“ „Ja, wenn der Wochenplan fertig ist, kannst du dir aussuchen, was du arbeiten möchtest.“ Einige Zeit später vorbeigeschaut, was das Kind so macht und da hat das Kerlchen doch tatsächlich die App „Run, Marco!“ offen und arbeitet im dritten oder vierten Level. „Run, Marco!“ ist eine App für Grundschüler, mit denen das Programmieren erlernt werden kann. Ich wollte sie in der kommenden Woche einführen. Erstaunlich für mich, dass sich der Siebenjährige die Funktionsweise völlig selbstständig erschlossen hat. Das hätte ich so nicht erwartet. Ein guter Anfang, der mir aber auch zeigt, was alles möglich ist, wenn man sich als Lehrer mal raushält.

In der Freiarbeit arbeiteten noch vier weitere Kinder am offline-PC. Durch die Audio Y-Adapter 41yszcphal-_ac_us160_können immer zwei ihre Kopfhörer einstecken und arbeiten, ohne die anderen zu stören. Zwei arbeiteten mit einer Lernspiel-CD zu einem Deutschwerk, das ich sehr schätze, ein anderes an den selbstgemachten Lernspielen. Hier half der „Spezialist“ weiter, für den ich diese Übungen erstellt hatte. Insgesamt nehmen mir die digitalen Anwendungen viel Arbeit ab, da ich die Ergebnisse nicht selbst kontrollieren muss. Dadurch erhalte ich Zeit, mich um die Kinder zu kümmern, die Erklärungen und individuelle Zuwendung benötigen. Nach den ersten Wochen hat sich auch der „Hype“ um die Tablets gelegt. Es ist klar, wann  man sie benutzen kann und dass es im Wochenplan immer auch Aufgaben an Tablet und/oder PC gibt. Man muss sich also nicht darum reißen. In dieser Woche hat sich das Tablet sogar ein bisschen unbeliebt gemacht, da die Grundschrift-App es mit dem „m“ sehr genau nimmt und die Sterne nicht so leicht herschenkt.

 

*) Ja, es war natürlich der „Mute-Knopf“ schuld, den irgendwer gedrückt hatte…trotzdem Guru!

 

 

 

 

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