Januar, zweite Woche

Montag

Wir haben ein neues Kind in der Klasse. Wunderbar, wenn aus einer Primzahl an Schülern plötzlich ein Zahl wird, die Vielfaches von 2, 3, 4 und 6 ist und damit viele verschiedene Gruppeneinteilungen ermöglicht, ohne dass einer „übrig“ ist.

Das neue Kind spricht kein Deutsch außer sieben Floskeln, kann aber immerhin bereits auf Deutsch zählen.

Über mein Twitter-Netzwerk bekam ich den Hinweis auf die App „LetMeTalk“. Die App wurde für Menschen mit Autismus entwickelt, die sich über die Aneinanderreihung von Symbolen mit ihrer Umwelt verständigen können. Jedem Symbol ist außerdem eine Audiodatei zugeordnet, sodass die Wörter auch vom Tablet oder Handy vorgelesen werden können. Diese App habe ich auf einem Tablet und meinem Handy installiert und der Klasse vorgestellt.

Einerseits ermöglicht sie nun eine Verständigung der Kinder untereinander bzw. Lehrern und dem neuen Kind, andererseits kann das Kind durch Anklicken der einzelnen, in Kapiteln geliederten Symbole seinen Wortschatz selbstständig erweitern.

Der Vorrat an Symbolen ist reichlich und kann durch eigene Bilder und Fotos sogar noch erweitert werden, z. B. durch Fotos und Namen der Mitschüler und -schülerinnen, spezifisches Unterrichtmaterial oder Räumlichkeiten. Leider liefert die Vorlesefunktion nicht immer grammatikalisch korrekte Sätze, aber für den Anfang wird es uns genügen. Und wenn man mitbekommt, dass einer der ersten Sätze „Du-ich-Freunde!“ ist, ist das schon prima Anfang.

Natürlich wurde sofort ausprobiert, ob man mit der App auch Unsinn anstellen kann. Beeindruckend war der Computer-Rap über Pizza, Coca Cola und Limonade, erzeugt durch eine ellenlange Aneinanderreihung von Lebensmittelsymbolen und schnelles Antippen der Bilder, sodass die Computerstimme oft nur dazu kam, die erste Silbe vorzulesen. Im Nachhinein sehr witzig und rhythmisch gelungen, in der konkreten Unterrichtssituation hat es mich leider sehr gestört.

Dienstag

Ich hatte ein schönes Tafelbild am Interaktiven Whiteboard zu Sachaufgaben vorbereitet: Tauben auf dem Dach, die sich Plus- und Minus-Aufgaben zusammenflatterten.

In der Lesestunde am Schluss des Tages ging es um Tomatensalat und Ananastorte. Zu jedem Nomen im Text haben wir mit der Google-Bildersuche ein Foto gesucht, sodass unser neuer Schüler eine Chance hatte zu verstehen, worum es ging. Er nannte uns die Bezeichnungen in seiner Muttersprache, die wir eifrig ebenfalls nachsprachen. Am Ende hatte ich einen Haufen sehr hungriger Wölflein auf dem Fußboden vor dem IWB.

Im Musikunterricht der Klasse 6 kamen 2 Learningapps zum Einsatz, die wir gemeinsam am IWB bearbeitet haben. Die QR-Codes zu den Apps habe ich auf die Arbeitsblätter gepackt und parallel dazu auf die Wiki-Seite, damit die Schülerinnen und Schüler die App auch zuhause zum Üben benutzen können..

Der Informatik-Kurs hatte heute eine analoge Phase: zu zweit haben sich die Schüler eine Seite aus einem ihrer Schulbücher herausgesucht. Diese Seite sollen sie in den kommenden Wochen augmentieren und so ihr eigenes „digitales Schulbuch“ erschaffen, wobei die gewählte Seite als Trigger dient. Wir nutzen dafür weiterhin die Plattform Blipp Builder. Zuerst aber kam die Planungsphase: Seite kopieren, aufkleben und Ideen zur Augmentierung sammeln. Dabei sind die Schüler noch etwas zögerlich – ich vermute, sie haben die Möglichkeiten von Augmented Reality noch nicht ganz erfasst. Es fehlen Beispiele und vielleicht auch Phantasie und visionäres Denken, vielleicht ahnen sie aber auch, dass großartige Visionen einen Haufen Arbeit nach sich ziehen würden und SO motiviert sind sie dann letztlich doch nicht. Ich bin auf ihre Ergebnisse gespannt!

Am Nachmittag habe ich die ersten Aufgaben für die Global Math Task Twitter Challenge für Klasse 1 (kurz: #gmttc1 ) erstellt und über den Klassenaccount auf Twitter gepostet.

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Mittwoch

Der jüngere Informatik-Kurs muss heute seine Scratch-Projekte beenden, wenn sie noch zensurrelevant sein sollen. Leider ist der Krankenstand sehr hoch, sodass einige interessante Projekte nicht im Unterricht fertig gestellt werden können, darunter auch das Autorennen. Mit etwas Mühe ließ sich am Ende der Stunde auch das verloren geglaubte Pacman-Spiel noch retten. Man kann ja reden, was man will, und häufiges Zwischenspeichern empfehlen – wahrscheinlich muss jeder erst einen herben Verlust erleben, bevor er wirklich daran denkt.

Andererseits wird mir dadurch auch deutlich, dass ich die Struktur unserers Netzwerks und die unterschiedlichen Speicherorte mit den Sechst- und Siebtklässlern noch einmal durchgehen muss.

Donnerstag

Wir haben mit einer Rechenkonferenz begonnen. Die erste Klasse von Mrs Jackson aus Tennessee hat eine Aufgabe im Rahmen der #gmttc1 gepostet.

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https://twitter.com/mrsjacksonCBA/status/818930401439842305

Nachdem wir den Text gelesen und übersetzt hatten, haben die Kinder zu zweit auf einem A5-Blatt versucht, eine Lösung zu finden. Die Lösungen haben wir an die Tafel (in diesem Fall unser IWB, das auch magnetisch ist und sogar mit Boardmarkern beschrieben werden kann) gehängt und die unterschiedlichen Lösungswege gemeinsam besprochen. Am Montag werde ich die besten Lösungen über Twitter an die Klasse in Tennessee zurückschicken.

Anschließend haben wir gemeinsam an unserer eigenen Aufgabe geknobelt. Ein Schüler konnte nach kurzem Nachdenken die richtige Lösung spontan nennen, aber nicht erklären, wie er darauf gekommen war. Nun, es war unsere erste Rechenkonferenz, auch das Erklären von Denkwegen muss erst nach und nach erlernt werden, vielleicht war es aber auch das, was Käpnick als „spontanes Lösen durch Hinschauen“ bezeichnet.

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Auf dem Teppich haben wir die Aufgabe zur Erklärung für alle nachgespielt. Für die Dohlen mussten die Rhinozerosse einspringen. Erwartungsgemäß haben nicht alle Kinder den Lösungsweg verstanden, bei dem die vorgegebenen Rechenoperationen umgekehrt werden müssen, um zur Lösung zu gelangen. Mir gab es Hinweise, wer mathematisch flexibel zu denken vermag und wer in diesem Bereich gefördert werden muss.

Am Freitag kam die erste Antwort auf unsere Aufgabe im #gmttc1, die erste Klasse von Mrs Shakell hat uns ihre Lösungen präsentiert. Dieser Post musste natürlich sofort beantwortet werden. Am kommenden Montag werden wir uns die Lösungswege in der Klassen anschauen und diskutieren.

https://twitter.com/MrsShakell/status/819974033945010177

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Freitag

Die Global Math Task Twitter Challenge hält uns in ihrem Bann. Heute haben wir uns mit folgender Aufgabe beschäftigt:

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https://twitter.com/smithfirsts/status/819202022872334337

Gemeinsam haben wir verschiedene Lösungsstrategien erarbeitet – wie können wir „beweisen“, dass die Gleichung stimmt? Schnell kamen die Kinder darauf, sich die Cuisenaire-Stäbe zu Hilfe zu nehmen. Die Wendeplättchen brachte ich ins Spiel, der „Beweis“ war dann von den Kindern schnell gefunden.

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Im oberen Tweet eingebettet ist unser erstes „Erklärvideo“. Vor dem Filmen wurde mit den Kindern besprochen, welche Regeln gelten: Das gefilmte Kind darf nicht zur Kamera schauen, damit es nicht erkannt werden kann, bei Fehlern einfach eine kurze Pause machen, dann die verbesserte Version spielen und – ganz wichtig! – alle anderen müssen GANZ leise sein. In absehbarer Zeit werden die Kinder solche Videos mit den Tablets selbst aufzeichnen. Sie können von mir mit der Software Camtasia nachbearbeitet werden, aber die bisherigen Erfahrungen mit anderen Klassen zeigen, dass die Kinder eher die (kurze) Aufnahme sooft wiederholen, bis sie ihnen „perfekt“ erscheint.

Schön war die Reaktion von Mrs Smith, die (natürlich) der Klasse vorgelesen wurde: „Great job! Can’t wait to show my students your kids work and where you are on the map.“ https://twitter.com/smithfirsts/status/821059147160551424

 

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